Der Lebensraum Naturgarten

 

Naturnahe Gärten haben längst nicht mehr das Image von verwilderten Öko-Gärten, sondern gewinnen heute durch das immense Artensterben in heimischer Flora und Fauna immer mehr an Bedeutung, auch bei der Bepflanzung im öffentlichen, verkehrsnahen Raum.

 

Ein Naturgarten ist ein naturnah gestalteter Lebensraum für Menschen gleichermaßen wie für wildlebende Tier- und Pflanzenarten.

 

Im naturnahen Garten lässt man Natur einfach Natur sein, denn die Natur weiss am besten was funktioniert.

 

Ein naturnaher Garten bietet Rückzugsflächen für selten gewordene Arten und leistet einen wertvollen Beitrag zu Biodiversität und Artenschutz.

 

Verzicht auf Pestizide und anderer umweltschädlicher Stoffe hat im Naturgarten oberste Priorität

 

Ein Naturgarten unterscheidet sich vom reinen Ziergarten hauptsächlich durch seine Pflanzenzusammensetzung. Anders als im Ziergarten werden nicht Pflanzen aus aller Herren Länder mit den unterschiedlichsten Standortansprüchen nebeneinander zur Schau gestellt, sondern man arbeitet mit großflächigen Pflanzenvergesellschaftungen heimischer Arten, die im günstigsten Fall schon von ganz alleine wachsen.

 

Ein weiterer großer Unterschied zum Ziergarten, ist sein Besitzer. Wer einen naturnahen Garten pflegt, erkennt eher die Zusammenhänge in der Natur und entwickelt ein anderes ästhetisches Empfinden für seinen Garten. Verblühte Blumenstände im Winter erscheinen auf einmal wertvoll und schön, wenn man versteht, daß sie nützlichen Insekten als Winterunterschlupf dienen, daß Schmetterlingspuppen an ihren Stängeln überwintern, und daß Vögel hier im Winter Futter an Samenständen finden.

 

Das Schaumkraut im langsam doch hoch werdenden Rasen traut man sich kaum abzumähen, da es dem Aurora-Falter als wichtige Futterquelle dient. Wer versteht, wie wertvoll gerade die etwas verwilderten ungepflegten Gartenecken für die Natur und für das Gartenklima sind, wird seinen Garten aus anderen Blickwinkeln sehen.

 

Blankgehackte Beete im Garten ohne ein einziges bodenbedeckendes Kraut, jagt dem Naturgärtner Schauer über den Rücken, da es niemandem nützt, außer dem (fragwürdigen) ästhetischen Empfinden seines Besitzers.

 

Im Herbst penibel das Laub aus den Beeten zu kratzen und anschliessend alles mit Rindenmulch abzudecken, weil es eher dem ästhetischen Anspruch eines gepflegten Gartens entspricht, erweckt beim Naturgärtner Unverständnis, denn wertvolleren Mulch als Herbstlaub gibt es nicht, dazu noch kostenfrei.

 

Die beste Gartenarchitektin ist die Natur

 

Natürliche Veränderungen sind im Naturgarten absolut erwünscht, denn eine Wildblumeneinsaat entwickelt über die Jahre eine ganz eigene Dynamik, und wird ständig ihr Erscheinungsbild ändern.

 

Die Natur macht das von ganz alleine, denn sie weiss am besten, was wann und wo wächst. Diese Entwicklung ist sehr spannend zu beobachten, auch wenn es eine ruhige Freude über eine lange Zeit ist.

 

Wildblumenwiese Insektenreiche Wildblumenwiese

Im naturnahen Garten sorgt Artenvielfalt für gesundes Wachstum

 

Die Selbstaussaat von erwünschten Pflanzen wird zusätzlich gefördert.

Ziel ist eine größtmögliche Artenvielfalt im Garten unter Nutzung aller zur Verfügung stehenden Lebensräume. Wildblumen ziehen Insekten an, oberirdisch wie unterirdisch, Insekten ziehen wiederum Vögel an. Ein insektenreicher vitaler Boden enthält viele Luftporen, die sehr große Wassermengen aufnehmen und speichern können. Ein Grund dafür, warum in einem Permakulturgarten selbst in Dürrezeiten alles so gut wächst.

 

Pflanzenschutz im Naturgarten regelt die Natur

 

Artenreiche und standortgerechte Pflanzenvergesellschaftungen schaffen ein Ökosystem im Garten, welches sich selbständig ohne großes Eingreifen erhält. Ist die Waage der Natur ausgependelt, wird sich ein natürliches Gleichgewicht von Schädlingen und Nützlingen einstellen.

 

In der Natur gibt es eigentlich keine Schädlinge, da jedes Insekt nützlich ist.

Sehen wir Raupenfraß, wissen wir, daß irgendwo schon ein hungriger Singvogel auf den Leckerbissen wartet.

 

Für den Menschen sehr erfreulich: Wildvögel fressen auch Unmengen an Mücken pro Tag, die Sie in der Luft fangen.

 

Wenn Sie einen Tigerschnegel im Garten entdecken, freuen Sie sich über den hilfreichen Schneckenbekämpfer!

Eine Bepflanzung aus heimischen Pflanzen bietet Nahrungsquellen und Nistmöglichkeiten

Weibchen der Mönchsgrasmücke an Holunderbeeren

 

Die Pflanzenarten im Naturgarten bestehen hauptsächlich aus einheimischen Arten mit hohem ökologischen Wert. Blüte und Fruchtzeiten sind bei heimischen Pflanzen an unsere Tierwelt angepasst und können Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen, Vögeln & Co als Futterquelle zur richtigen Zeit dienen.

Wir müssen nicht komplett auf geliebte Exoten oder Zuchtformen verzichten, aber mindestens drei Viertel der Gartenbepflanzung sollte aus heimischen Wildarten bestehen.

 

Von einigen hübschen Exoten werden Sie sich vielleicht zuerst nicht gern trennen. Die beliebte Forsythie (Goldglöckchen) ist ein gutes Beispiel dafür. Der goldgelb blühende Strauch ist im Frühjahr sehr schön anzuschauen mit seinen fröhlich stimmenden Blüten. Aber exotische Hybrid-Züchtungen wie die Forsythie sind so steril, daß sie Bienen weder Nektar noch Pollen liefern.

 

Leitgedanken für das Anlegen eines naturnahen Gartens:

 

  • Bepflanzen möglichst vieler Gartenflächen mit langjährigen Pflanzenvergesellschaftungen heimischer, ökologisch wertvoller Arten
  • Mit standortgerechten Pflanzungen und Ansaaten eine größtmögliche Artenvielfalt schaffen
  • Freiwachsende Hecken und Gehölze von ökologischem Wert gegenüber Formschnitthecken bevorzugen
  • Lebensräume schaffen und Anbieten von Nisthilfen
  • Absoluter Verzicht auf Pestizide und andere naturfremde chemische Stoffe
  • Einsatz von regionaltypischen ökologischen Baustoffen, wie Natursteinen aus bergischer Grauwacke oder unbehandelten Hölzern mitteleuropäischer Herkunft
  • Bodenvitalität erhalten durch schonende Bodenbearbeitung

 

 

Lesen Sie weiter, wie Sie naturnahe Lebensräume im Garten anlegen können, wie Sie Tiere pflanzen, einen naturnahen Garten pflegen und warum der Naturgarten ein wertvoller Kinderspielgarten ist.

 

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