Einen Naturgarten pflegen

 

Der Naturgarten ist ein recht pflegeleichter Garten. Beim Pflegen eines naturnahen Gartens hat man im Gesamten weniger Arbeit, als bei der Gartenpflege im reinen Ziergarten, jedoch sollte man mehr Ahnung haben, was man tut.

 

Unkraut jäten fällt im Naturgarten wenig an, da sich nach und nach eine artenreiche Pflanzengesellschaft einstellt, die sich selber reguliert und Bodenvitalität fördert. Wenn in Gärten die weit verbreiteten Unkräuter wie Hahnenfuß, Giersch, Ackerwinde oder Quecken massenhaft wuchern, ist dies meist ein Zeichen für einen gestörten Boden.

 

Viele bedrohte heimische Arten wachsen gerade auf Magerstandorten sehr gut, ein Grund, warum Sie aus unseren überdüngten Feldern verschwinden. Wenn Sie Ihren Boden durch Schotter abmagern, werden gerade diese Pflanzen gute Wachstumsbedingungen haben und stickstoffliebende Wucherer werden es schwer haben.

 

Düngen ist im naturnahen Garten eher kontraproduktiv. Düngung brauchen allenfalls die Gemüsebeete, hier ist ein eigener Komposthaufen unersätzlich.

 

Kräuterkunde beim Pflegen eines naturnahen Gartens

Sie sollten nach und nach die Kräuter kennenlernen, die sich in Ihrem Garten ansiedeln und selber entscheiden, was Sie als unerwünschtes Beikraut in Schach halten, oder welche Pflanzen Sie wegen Ihrer Schönheit gezielt bei der Aussat unterstützen.

Gewöhnen Sie sich doch an, nur das zu jäten, was Sie kennen. Sie werden viele neue Pflanzenschönheiten kennen lernen, die Sie früher meist als Unkraut vernichtet haben.

 

Wildblumenwiesen pflegen

 

Wildblumenwiesen erhalten Ihren Artenreichtum wenn sie 1-3 mal im Jahr gemäht werden. An extremen Magerstandorten reicht unter Umständen auch ein Schnitt alle zwei Jahre. Vor allem an nährstoffreichen Standorten ist eine Mahd im Juni zu empfehlen, auch wenn man es kaum über das Herz bringt, eine Wiese in voller Blühte abzuschneiden. Damit nicht alle Futterquellen der Insekten auf einen Schlag entfernt werden, empfiehlt es sich zeitlich versetzt in Abschnitten zu mähen. Die abgeschnittenen Pflanzen setzen schnell wieder neue Blüten an.

Dabei nicht zu tief mähen, viele Pflanzen sind zweijährig und bilden im Jahr nach der Keimung nur Blattrosetten. Sie sollten nur so tief mähen, daß Sie diese nicht mit abschneiden.

 

Viele Pflanzen sind Wintersteher und halten auch über den Winter ihre Samen. Lassen Sie einzelne Bereiche ruhig über den Winter als Vogelfutter stehen. Lassen Sie sich nicht einreden, Verblühtes sei angeblich unansehnlich. Die Schönheit einer vertrockneten Blüte erschliesst sich erst bei näherem Hinsehen. Ein abgeblühter Blumenbestand ist auch im Winter voller Leben: Schmetterlingspuppen überwintern an den Pflanzenstengeln, viele Insekten nutzen leere Samenstände oder hohle Stengel als Unterschlupf und Winterquartier, Pflanzen wie die Kornrade halten Ihre Samen bis zum Frühjahr und bieten Singvögeln im Winter Nahrung.

 

Ein Blumenrasen verträgt gelegentliches Begehen und sollte dafür etwas kürzer gehalten werden. Ausreichend ist eine Mahd  4-6 mal im Jahr.

 

Sträucher und Hecken werden naturnah geschnitten, das heißt man unterstützt den natürlichen Habitus der Pflanze und lichtet nur aus oder entfernt alte Triebe, wenn nötig. Hier gilt wahrlich der Spruch: Der gute Gärtner schneidet so, daß man den Schnitt nicht sieht. Nach mehreren Jahren kann man bei vielen Sträuchern auch einen Verjüngungsschnitt machen und die Sträucher bis auf den Stock zurückschneiden. Die beste Zeit hierfür ist zwischen Oktober und März.

 

Heimische Sträucher und Wildblumen sind sehr gut an unser Klima angepasst und überstehen auch lange Trockenzeiten im Sommer ohne Bewässerung. Wenn die Pflanzen in Ihrem Garten angewachsen sind, ist ein Bewässern ist in der Regel nicht nötig.

 

Garten anlegen mit Blumenwiese im Ansaatjahr einer Wildblumenwiese dominieren die Einjährigen

Keine Pestizide !

Man kann es nur immer wieder betonen: Oberstes Gebot im naturnahen Garten ist absoluter Verzicht auf Pestizide und andere naturfremde Chemikalien. Diese Gifte zerstören Lebensräume von Insekten nachhaltig, und damit auch die Grundlagen unserer Böden. Die langfristigen Wirkungen auf tieferlebende Bodenlebewesen sind heute kaum abschätzbar, zumal die Wechselwirkungen zwischen Insekten, Pilzen und Pflanzen kaum erforscht sind.

 

Im Naturgarten wollen wir Artenvielfalt fördern und nicht mutwillig und unachtsam vernichten.

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© Marco Latschan Naturnahe Gärten Lohmar

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